Jute

Der Begriff „Jute“ wird für die Bastfaser mehrerer indischer Corchorus-Arten, die der Familie der Lindengewächse angehören, benutzt. Ihre Stängellänge bzw. ihre Faserlänge liegt bei ca. 1,50 bis über 3 m. Ihr Äußeres erinnert an ein riesiges Kraut.

Jutefasern werden nach der Ernte für 20 Tage geröstet, dann von Hand ausgelöst, in fließendem Wasser gewaschen und anschließend getrocknet. Jutefasern sind vollständig biologisch abbaubar und besitzen einen seidigen und goldenen Glanz (Jute wird deshalb auch oft die „goldene Faser“ genannt). Sie zeichnen sich außerdem durch eine hohe Reißfestigkeit und Dehnbarkeit aus. Man unterscheidet weiße und Tossa-Jute. Tossa-Jute ist durch die stärkere Verholzung etwas fester und farblich eher gelb-rötlich. Vorrangig wird Jute im Gangesdelta angebaut, wo sie durch die alljährlichen Überschwemmungen optimale Wachstumsbedingungen vorfindet und fast ohne Dünger und Pflanzenschutzmittel angebaut werden kann.

Jute war zunächst als Kochgemüse und Nutzfaser im Eigenanbau im asiatischen Raum bekannt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelang es in der schottischen Stadt Dundee erstmalig, die Stängelrinde dieser Pflanze maschinell zu verarbeiten, und Jute erlangte als Faserlieferant eine weltweite Bedeutung. Bis heute ist sie neben der Baumwolle die wichtigste Naturfaser. Aus ihr entsteht eines der ältesten traditionellen Verpackungsmaterialien, denn sie besitzt optimale Eigenschaften, um Rohware zu verpacken, und ist gleichzeitig ausgesprochen umweltfreundlich. Weltweit leben heute ca. 12 Millionen Kleinbauern vom Anbau der Corchorus-Pflanzen, aus denen Jute gewonnen wird.

JUTEGARNE UND ZWIRNE
Jutegarne werden sowohl in der Industrie (Schuhe, Teppich, Handwerkskunst) als auch im Garten- und Landschaftsbau (z. B. als Erntebindegarne) verwendet. Sie sind in den verschiedensten Stärken, Varianten (z. B. gefärbt, gebleicht, poliert, geruchlos) und Aufmachungen (Spulengrößen) lieferbar. Man findet Jutegarne als Paketschnur (Verpackungsmaterial), im Bastelbedarf (Makramee) oder auch als Haushaltsgarn in Baumärkten.

JUTESÄCKE
Jutesäcke sind ein hervorragendes Verpackungsmittel, vornehmlich für Lebensmittel wie Reis, Kartoffeln und verschiedene Gemüsearten, aber auch für Kaffee und Kakao. Aufgrund der guten Durchlüftung, der ausgeprägten Feuchtigkeitsabsorption und einer Struktur, die eine Beschädigung der verpackten Produkte ausschließt, wird diese wiederverwendbare Verpackungsart noch immer häufig und gern genutzt.

Selbstverständlich werden auch Jutesäcke in unterschiedlichen Größen, Gewichten, Qualitäten und Ausführungen (mit/ohne Bindeband) geliefert. Zusätzlich zu der Nutzung im Lebensmittelbereich werden Jutesäcke traditionell auch als Verpackungsmaterial für verschiedenste Erzeugnisse, wie zum Beispiel Braunkohle, verwendet. Auch der traditionelle Sandsack, der bei starken Regenfällen oder Überschwemmungen zur Verstärkung der Deiche und/oder zum Uferschutz verwendet wird, ist trotz der Konkurrenz durch PE- oder PP-Säcke nach wie vor sehr gefragt und wird von Bundeswehr, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk als Hochwasser-Barriere eingesetzt.

In den letzten Jahren werden vermehrt kleine Jutesäckchen zur Verpackung von Weinflaschen oder auch Süßigkeiten (in der Weihnachtszeit) verwendet.

HESSIAN GEWEBE
Hessian ist die Bezeichnung für ein einfädiges Gewebe aus Jute. Hessians werden in diversen Breiten und Grammaturen angeboten und in den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt. Sowohl die Verpackungsmittelindustrie als auch die Dekoindustrie verwenden Hessiangewebe, und zwar naturfarben ebenso wie auch gefärbt. Besonders beliebt sind die gefärbten Hessiangewebe zur Dekoration in der Weihnachtszeit. Natürlich darf z. B. ein Gewebe, das für Dekorationsmaterial eingesetzt wird, keine Webfehler oder Verdickungen aufweisen. Generell kann das Gewebe auf unterschiedlichste Arten behandelt erworben werden – PE-Beschichtung, Lebensmitteltauglichkeit, Verrottungshemmung u. v. m.

TEPPICHRÜCKSEITENGEWEBE
Das Teppichrückseitengewebe aus Jute, auch CBC (Carpet Backing Cloth) genannt, zeichnet sich durch seine starke Belastbarkeit und Flexibilität aus. Der Einsatz von Jute bei der Teppichproduktion ist nicht nur gut für die Umwelt, denn er macht das Endprodukt nachhaltig, biologisch abbaubar und recyclingfähig. Zusätzlich dazu hilft ein Jute-Teppichrücken dank seiner Flexibilität dem Verarbeiter, auch in räumlich schwierigen oder anspruchsvollen Bereichen, wie zum Beispiel Treppenaufgängen, den Teppich problemlos zu verlegen.

TARPAULIN GEWEBE
Tarpaulin ist ein doppelfädiges Gewebe aus Jute und sehr reißfest. Aufgrund dieser Eigenschaft wird es unter anderem im Polster- und Sattlereibereich sowie auch im Straßenbau eingesetzt. Grundsätzlich eignet es sich für alle harten/robusten Einsatzbereiche.

JUTEWEBBINGS
Webbings/Jutegurte sind schmale Gewebestreifen aus Jute. Diese werden vornehmlich für Sitz- und Rückenpolsterungen, z. B. in der Möbelindustrie für Sessel, Stühle und/oder Sofas bzw. Couchgarnituren, genutzt. Je stärker die verwendeten Zwirne und je höher die Fadendichte, umso belastbarer wird das Endprodukt.

JUTEVLIES
Sogenannte Nadelfilze aus Jute werden häufig als Dämmmaterial, aber auch als Schall- und Trittschutz eingesetzt. Diese Nadelfilze sind in verschiedenen Breiten, Grammaturen, Dicken und Zusammensetzungen erhältlich. Es besteht auch die Möglichkeit, Jute und andere Produkte zu mischen.

Aus Jutevlies werden unter anderem auch sogenannte Mulching Discs hergestellt, runde Scheiben aus dicht vernadeltem Jutefilz, die einen Schlitz zum leichten Öffnen und Anbringen aufweisen. Diese Art Jutematten dienen dem Schutz vor Kälte, Frost und Nässe. Außerdem hemmen sie das Unkrautwachstum und halten den Boden länger feucht. Regenwürmer und andere Kleinstlebewesen bringen das Mulchmaterial in tiefere Bodenschichten und wandeln es in Pflanzennahrung um. Dementsprechend werden diese Produkte hauptsächlich von Baumschulen und anderen landwirtschaftlichen Betrieben verwendet. Natürlich können Mulching Discs aber auch als dekorativer Unterleger oder zum Basteln in Haus und Garten zum Einsatz kommen.

JUTE TAUWERK
Der traditionelle Einsatzzweck von Jutetauwerk ist die Seefahrt. Heutzutage wird hier allerdings hauptsächlich Tauwerk aus anderen Materialien wie PP, PE oder Ähnlichem eingesetzt. Die Stahlkabelindustrie hingegen setzt nach wie vor auf Naturfasertauwerk aus Jute oder Sisal. Das Naturfasertauwerk fungiert als Kabelseele und sorgt mit seiner hygroskopischen Eigenschaft für ein automatisches Nachfetten/-ölen der Stahlkabel. Des Weiteren wird Jutetauwerk häufig auch von Unternehmen im Dekorationsbereich oder aber auch von der Möbelindustrie bezogen.

PLASTERER/SCRIM CLOTH
Hier handelt es sich um Jutegewebe, das zur Verstärkung von Gipsarbeiten genutzt wird. Dieses ist in verschiedenen Abmessungen und unterschiedlicher Dichte erhältlich, an den Enden gesäumt und leicht aufgespult.

SOIL SAVER/GEOTEXTILIEN
Diese Bezeichnung steht in der Hauptsache für Erosionsschutznetze und -matten aus Jute zur Verhinderung von Bodenerosion und zum Hangschutz oder zur Landschaftsrekultivierung. Diese sind standardmäßig in Breiten von 1,22 m und 2,42 m und mit einem Gewicht von 500 g/m² erhältlich. Bei einigen Kunden kommen aber auch individuelle Produkte mit höherem oder niedrigerem Gewicht, individueller Maschenbreite oder in einer anderen Breite zum Einsatz. Diese sogenannten Geotextilien werden vornehmlich im Straßenbau, aber auch im Garten- und Landschaftsbau eingesetzt. Sie passen sich bei lockerer Verlegung gut den Unebenheiten in einem Gelände an und können bis zu dreimal ihr Eigengewicht an Feuchtigkeit aufnehmen. Das durchnässte Gewebe verhindert ein Austrocknen der Pflanzen und gleicht Temperaturschwankungen aus. Durch die Maschenstruktur können die Pflanzen sich ungehindert ausbreiten und wachsen.

ROHJUTE/JUTEFASERN
Die Automobilindustrie setzt zunehmend auf Verbundstoffe, die Naturfasern enthalten. Sie machen das Endprodukt (meist eine Pressplatte) leichter, bei der Verarbeitung entsteht kein giftiger Staub, sie sind maschinenschonender zu verarbeiten und sparen damit auch Energie. Das fertige Bauteil splittert weniger. Die Nutzung der Naturfasern bietet der Industrie also nicht nur die Möglichkeit, umweltschonender zu produzieren, sondern berücksichtigt darüber hinaus unter anderem auch den Erhalt der Gesundheit der Arbeitnehmer.
Im Bauwesen werden ähnliche Verbundstoffe als Dämmstoff und zum Isolieren eingesetzt.
Auch die Zellstoff- bzw. Papierindustrie setzt seit vielen Jahren vermehrt Zellstoff, der aus Naturfasern wie Jute/Kenaf gewonnen wird, ein. Dies ist umweltfreundlicher, vor allem aber gibt die Nutzung dieser Naturfaser der Zellstoffindustrie die Möglichkeit, einen deutlich vielseitiger einsetzbaren Zellstoff an die Papierindustrie zu liefern. Dieser wird unter anderem für Spezialpapiere wie z. B. fettdichte Papiere verwendet.

JUTETASCHEN
Auch wenn die oft als Jutetasche bezeichnete Tasche („Jute statt Plastik“) in den meisten Fällen aus Baumwolle und nicht aus Jute ist, gibt es eine ständig wachsende Nachfrage nach „echten“ Jutetaschen und zahlreiche Anbieter, die sich auf die Fertigung solcher Taschen spezialisiert haben. Häufig findet man auch Taschen aus Mischgewebe (Baumwolle/Jute).

BALLIERGEWEBE
Bei sogenannten Nursery Squares handelt es sich um Jutegewebeabschnitte, die hauptsächlich im Garten- und Landschaftsbau, in der Forstwirtschaft sowie von Baumschulen zum Umwickeln der Wurzelballen eingesetzt werden. Das Gewebe verrottet innerhalb von ca. drei Monaten im Boden, ohne irgendwelche ungewollten Rückstände zu hinterlassen. Zuvor schützt es Sträucher, Bäume und Wurzelwerk vor Frost und Austrocknung.

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